Hitzschlag beim Hund – immer ein Notfall

Hitzschlag beim Hund – immer ein Notfall

12/07/20191

Hitzschlag beim Hund – immer ein Notfall

Gastblog von Hug A Pet - tierarzt hausbesuche: Dr.Med.Vet Franziska Hannes & Johanna Esser

Jedes Jahr ist es das Gleiche: Wir Menschen freuen uns im Sommer über hohe Temperaturen, während die heiße Zeit des Jahres für unsere Hunde weitaus weniger angenehm ist. 

Hunde sind sehr hitzeempfindlich und reduzieren bereits bei Außentemperaturen von ca. 22-25 Grad ihre körperliche Aktivität. Durch ihr dichtes Fell und vor allem durch das Fehlen von Schweißdrüsen am Körper, können Hunde nicht schwitzen, um so ihren Körper abzukühlen. Lediglich an der Unterseite der Pfoten und am Nasenspiegel besitzen Hunde eine geringe Anzahl an Schweißdrüsen. Diese reichen jedoch für eine effektive Thermoregulation nicht aus. Hunde regulieren ihre Körpertemperatur daher durch direkte Wärmeabgabe mittels Hecheln. Hierbei verdunsten Speichel und Sekrete der Maulschleimhäute und des Atmungstrakts, wodurch die angestaute Körperwärme nach außen abgegeben wird. 

Dieses Prinzip funktioniert allerdings nur, solange dem Hund ausreichend Wasser zur Verfügung steht, damit er den beim Hecheln entstandenen Flüssigkeitsverlust wieder ausgleichen kann und die Wärmeaufladung des Körpers nicht die Wärmeabgabe durch das Hecheln übersteigt. Bereits ab einer Temperatur von ca. 28 bis 30 Grad reicht dieser Mechanismus nicht mehr aus und die Körpertemperatur beginnt zu steigen. Übersteigt also die Umgebungstemperatur die Kompensationsgrenzen des Hundes, kann es schnell zum Hitzschlag kommen. Übermäßige körperliche Anstrengung durch ausgiebige Spaziergänge, übermäßiges Spielen mit anderen Hunden, Laufen neben dem Fahrrad und auch Hundesport bei Außentemperaturen von mehr als 25 Grad führen zu starker innerer Wärmeentwicklung, die der Hundekörper nicht kompensieren kann.

Viele Hundebesitzer glauben, dass ein Hund, der einen Hitzschlag erlitten hat, nach der an Ort und Stelle vorgenommenen notfallmäßigen Kühlung gerettet und außer Lebensgefahr wäre. Das stimmt jedoch nicht immer. Das traurige Ende ist viel zu oft bittere Realität: der Tod des Hundes. 

Wann spricht man von einem Hitzschlag?

Wenn die Körpertemperatur des Hundes über 41 Grad ansteigt, spricht man von einem Hitzschlag. Tragischerweise kann diese sich bis zur Vorstellung beim Tierarzt so verändern, dass dann sogar eine Hypothermie (Untertemperatur) festgestellt wird, was einen ungünstigen Hinweis auf die Überlebenschancen des Hundes darstellt. 

Hitzschlag ist nicht gleich Hitzschlag

Man unterscheidet zwischen dem klassischen Hitzschlag, der allein durch die Umgebungstemperatur verursacht wird und dem anstrengungsinduzierten Hitzschlag durch körperliche Belastung bei gleichzeitig hohen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit. Am häufigsten tritt eine Kombination dieser beiden Formen auf. 

Bedeutung der Luftfeuchtigkeit

Liegt die Außentemperatur unterhalb der Körpertemperatur, kann der Organismus unterschiedliche Mechanismen für die Wärmeangabe nutzen (Konduktion, Konvektion, Radiation, Verdunstung). Steigt aber die Außentemperatur auf das Niveau der Körpertemperatur, funktioniert nur noch die Verdunstung über die Schleimhaut der Nasenmuscheln und durch das Hecheln. Besonders gefährlich wird es, wenn schwüle Hitze, also eine hohe Luftfeuchtigkeit herrscht, denn dann funktioniert auch der Verdunstungsmechanismus nicht mehr richtig.

Todesfalle Auto

Am Körper des Hundes - z. B. zwischen den Vorderbeinen, an der Brust und in der Lendenregion - finden sich sogenannte "thermische Fenster", über die besonders viel Wärme abgegeben werden kann. Je nach Bewegungseinschränkung (Hundebox, Kofferraum usw.) und daraus resultierender Körperhaltung, können diese Fenster zum Teil geschlossen sein. In einem Auto kann der Hund keine kühlen Flächen (z.B. Steinböden) finden bzw. sich schaffen (Erdkuhle), die er für die Notkühlung nutzen könnte. Er ist seinem Unglück quasi chancenlos ausgeliefert.

Die Temperatur im Innenraum eines Autos kann sehr schnell in Bereiche über 35 Grad ansteigen, was dazu führt, dass nur noch Atmen und Hecheln für Abkühlung sorgen können. Durch das anfänglich hohe Niveau an körperlicher Aktivität (Unruhe, Scharren und Kratzen) und das unablässige Hecheln steigt dann letztendlich auch die Luftfeuchtigkeit im Innenraum des Autos stark an, was die letzte Möglichkeit der Körpertemperaturregulation zunichte und das Unglück perfekt macht.



Es ist passiert

  • Ruhe bewahren! Jeden weiteren Stress für den Hund vermeiden.

  • Hund sofort in kühle Umgebung bringen, raus aus dem Auto, in Schatten unter Bäume, kühler Innenraum, Keller, etc., mit viel frischer Luft;

  • Dem Hund Wasser zum Trinken anbieten, handwarm, langsam kleine Mengen, kontinuierlich mit Pausen. Hund muss selbständig trinken können!

  • Hund auf ein feuchtes Handtuch legen, feuchte (nicht eiskalte!) Tücher über den Kopf, um den Hals, in Leistenbereiche; Tücher regelmäßig nach Aufwärmen durch neue kühle Tücher ersetzen;

  • Gliedmaßen langsam von unten nach oben zum Abkühlen anfeuchten;

  • Warme Luft durch Ventilator oder "kühlen" Fön von Hund wegleiten

  • Nach gewisser Erholung in kühlem Wasser laufen lassen. Selbst laufen lassen – regt den Kreislauf  an und stabilisiert ihn.

  • Körpertemperatur messen – nicht unter 38 bis 39 Grad abkühlen lassen!

  • Rufen Sie HUG A PET - tierarzt hausbesuche Berlin an, um Tierärzte zur weiteren Stabilisierung (Infusionen, Kreislaufsmedikamente) und Blutuntersuchungen nach Hause kommen zu lassen. Dieser tierärztliche Hausbesuch schützt Ihren Hund vor weiterer Belastung eines Transportes in einem auch überhitzten Auto oder einer Box.

  • Intensive Überwachung 24 bis 48 Stunden wegen Spätfolgen eines kompensierten Schocks (Kreislaufkollaps), möglichen Blutgerinnungsstörungen, Nierenschäden und Hirnödem;

Folgeschäden nicht ausgeschlossen

Ein Hitzschlag richtet im Körper ein beträchtliches Chaos und unter Umständen irreparable Schäden an. Nur in einer Tierarztpraxis hat man die Chance, entsprechend zu reagieren. Beispielhaft seien ein paar Notmaßnahmen genannt: Weitere Kühlung bis auf eine Körpertemperatur von 39,5 Grad, eventuell großflächiges Scheren dick bepelzter Hunde, Massagen zur Förderung der peripheren Durchblutung, Infusionsbehandlung, Sauerstoffzufuhr, Ausgleich der oft vorliegenden Übersäuerung (metabolische Azidose), Verhinderung oder Behebung einer Hypoglykämie (Unterzuckerung) durch Glukose-Infusionen oder eines Hirnödems durch die Verabreichung von Mannitol, antibiotische Abdeckung usw. 

In jedem Fall müssen Sie sich an einen Tierarzt wenden, alles andere wäre fahrlässig. Ein Hitzschlag ist IMMER ein tiermedizinischer Notfall! 

Symptome von einem Hitzschlag beim Hund

  • starkes Hecheln
  • erhöhte Körpertemperatur
  • tiefrote Zunge
  • Erbrechen
  • Erschöpfung
  • Krämpfe
  • beschleunigter Pulsschlag
  • Bewusstlosigkeit

Heißer Asphalt verursacht Brandblasen

Straßenbelag kann bei direkter Sonneneinstrahlung so heiß werden, dass es zu Verbrennungen an den Sohlenballen von Hunden kommt. Einfacher Test: Drücken Sie Ihren Handrücken fest auf den Straßenbelag. Wenn Sie dabei nicht in aller Ruhe bis Zehn zählen können, ist der Boden für Ihren Hund zu heiß! Selbst bei etwas niedrigeren Belagstemperaturen kann langes und zügiges Laufen in Kombination mit schweißfeuchten Ballen zum extrem schmerzhaften "Abledern" der Hornhaut führen.

Besonders gefährdete Rassen

Besonders gefährdet sind die sogenannten brachycephalen Rassen, also kurznasige Hunde wie z. B. Mops, englische und französische Bulldoggen oder Pekinesen. Durch ihre überwiegend stark verkürzten Nasen, die verkleinerten Nasenmuscheln mit verringerter Schleimhautoberfläche und die verengten Nasenlöcher ist die Fähigkeit zur Wärmeabgabe durch Hecheln reduziert. Eine tiermedizinische Studie aus Israel zur Untersuchung des Vorkommens von Hitzschlag bei Hunden hat zudem ergeben, dass neben den brachycephalen Rassen auch der Labrador Retriever, der Golden Retriever und der Malinois besonders gefährdet sind, einen Hitzschlag zu erleiden.

Vorbeugung eines Hitzschlags

  • Vermeidung von Aufenthalten in heißer Umgebung ohne Ausweichmöglichkeiten für den Hund

  • Im Sommer Anbieten von kühlenden Flächen, Schatten, Wasserbecken u.s.w.

  • Keine Spaziergänge in der Mittags- und Nachmittagshitze, besser morgens und abends; schattige Wege suchen; 

  • Hund im Frühjahr und Sommer niemals allein im Auto lassen, auch nicht im Schatten; Autofahrten bei hohen Außentemperaturen vermeiden; Sonnenblenden im Auto an Seiten- und Heckscheiben anbringen;

  • Hunde nicht in engen Boxen mit wenig Lüftung transportieren.

  • Keine übermäßigen körperlichen Anstrengung, auch nicht bei mäßig hohen Temperaturen (Hundesport, Toben mit anderen Hunden, Laufen am Fahrrad u.a.); lieber Schwimmen gehen;

  • Immer ausreichend Wasser anbieten, auch unterwegs; kein Eis geben – regt den Organismus ggf. zu noch mehr Wärmeproduktion an.

  • Pausen unterwegs im Schatten einlegen (temperamentvolle, aktive Hunde pausieren selbst nicht zuverlässig!) 

  •  Hunde mit dichtem, langem Fell im Frühsommer scheren;

  • Bei Beobachtung eines hitzschlaggefährdeten fremden Hundes (z.B. im Auto) Situation genau erfassen (Zustand des Hundes von außen, Türen und Fenster prüfen, Temperaturen feststellen, bei Gefahr für den Hund  Polizei anrufen und dringend und schnell anfordern; notfalls Seitenscheibe einschlagen; alles genau protokollieren. 

Schonmal einen Hundesitter bei Pawshake gebucht? Besprechen Sie mit ihm die Gefahren von Hitze und wie ein Hitzschlag vermieden werden kann.

Temperatur-Entwicklung im Auto

Außen-Temperatur 

 nach 10 Min

 nach 30 Min

 nach 60 Min

24 Grad

31 Grad

40 Grad

50 Grad

26 Grad

33 Grad

42 Grad

52 Grad

28 Grad

35 Grad

44 Grad

54 Grad

30 Grad

37 Grad

46 Grad

56 Grad

32 Grad

39 Grad

48 Grad

58 Grad

34 Grad

41 Grad

50 Grad

60 Grad

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Kommentare (1)

Barbara

Sehr lehrreich, gut erklaert! Einiges habe ich als lebenslange Hundebesitzerin noch dazu gelernt.

15.07.2019 - 11:14